Vorwort

By Koloman Brenner & Irmeli Helin (Univ. of Eötvös Loránd, Hungary & Turku, Finland)

©inTRAlinea & Koloman Brenner & Irmeli Helin (2016).
"Vorwort"
inTRAlinea Special Issue: The Translation of Dialects in Multimedia III
Edited by: Koloman Brenner & Irmeli Helin
This article can be freely reproduced under Creative Commons License.
Stable URL: http://www.intralinea.org/specials/article/2188

Deutsch
MMDT2012 war die fünfte Veranstaltung, die im Rahmen der Tagungsreihe Dialektübersetzung und Dialekte in Multimedia organisiert wurde. Es war das dritte Symposium in Finnland;  zwei Symposien fanden in Forlì, an der Universität Bologna statt.  Auf der Grundlage der Vorträge der vier ersten Konferenzen wurde jeweils ein Konferenzband veröffentlicht und der vorliegende Band repräsentiert den fünften in dieser Reihe.

Im ersten Band, der 2004 veröffentlicht wurde und der die Besprechungen von 2003 betraf, enthielten die meisten Artikel Analysen und Berichte über Dialekte, Dialektforschung und Dialektverwendung in schriftlicher Form, d.h. von der Belletristik bis hin zu Comics. Bei dem zweiten Symposium 2005 war schon eine deutliche Veränderung der Themen zu bemerken. Neu unter den Vorträgen und Beiträgen waren damals Themen bezüglich von Film, Theater und Musik, und diesen Trend spiegelt der Konferenzband von 2008 wieder. Die zwei ersten Konferenzbände wurden als gedruckte Werke herausgegeben, während die zwei folgenden als elektronische Publikationen in den Reihen der Universität Bologna „das Tageslicht der Welt erblickten“. Auch in diesen zwei Bänden ging der Trend weiter in die vorhin dargestellte Richtung. Es handelt sich um eine allgemeine Entwicklung und Ausbreitung des Begriffsinhalts der internationalen Kultur und – eventuell auch darum, dass die Kultur heute auch alltägliche Züge beinhalten kann und ihren Ruf als „elitäre Sphäre“ verloren hat. Die Kultur gehört jetzt jeden!

Der vorliegende Band beginnt mit einem Aufsatz bezüglich der Thematik der Zweisprachigkeit und der zweifachen Identität, die in der slowenischen Literatur in Österreich zu beobachten ist. Dafür hat Silvija Borovnik das Verhältnis zwischen den slowenischen und deutschen Sprachen und Di-alekten in der Literatur erforscht und dargestellt. Die zweifache Identität der Romanfiguren kann seitens des Autors durch Verwendung dialektaler Ausdrücke, Namen und  im Allgemeinen durch die Wahl der Sprache und der sprachlichen Varietät beschrieben werden, d.h. ob er oder sie in der Muttersprache oder der Zweitsprache schreibt.  Dadurch aber zeigt er/sie seine/ihre eigene zweifache Identität und entblößt sich gleichzeitig sogar für eine scharfe Kritik.  Georgios Floros schreibt über intralinguale Translation im Kontext einer Sitcom, die im Fernsehen auf Zypern läuft und sehr beliebt ist. Dabei handelt es sich um den Gebrauch des griechischen Dialekts (CGD), der auf Zypern gesprochen und in diesem Programm verwendet wird, und die Möglichkeiten der Untertitelung der Dialoge in der modernen griechischen Standardsprache (SMG), die die offizielle Varietät auf Zypern ist. In seiner Analyse stellt er fest, dass der Dialekt für die Untertitelung eigentlich keine semantische oder pragmatische Schwierigkeiten verursacht, während die kommunikativen Aspekte, die in einer Sitcom den Kern bilden, die standardsprachliche Untertitelung erschweren, und aus der soziokulturellen Sicht sogar fast unmöglich machen.

Irmeli Helin als Organisatorin des Symposiums MMDT2012 in Turku, beschreibt diese älteste Stadt Finnlands aus dem sprachpolitischen und übersetzungskritischen Blinkwinkel, wozu die Entstehung der finnischen Standardsprache und die Rolle der Translation darin sowie die Reformation im 16. Jahrhundert  als schriftsprachlicher Anreger gehören. Mihaela Koletnig und Alenka Valh Lopert analysieren den slowenischen Prekmurje Dialekt im slowenischen Film Oča (Vater). Sie betrachten besonders die Anwendung dialektaler Ausdrücke im Film und vergleichen sie mit dem entsprechenden, alltäglichen Dialekt, der in den betreffenden Gegenden in Slowenien gesprochen wird, und stellen fest, dass die Schauspieler im Film auf allen sprachlichen Niveaus wirklich und konsequent den authentischen Dialekt verwenden. Mit Melita Zemljak Jontes schreibt Mihaela Koletnik über Verwendung zweier slowenischer Dialekte  in der slowenischen Popmusik. Es geht auch hier um eine genaue linguistische Analyse auf unterschiedlicher sprachlichen Betrachtungsebenen. Diese Analysen zufolge wird die Schlußfolgerung dargestellt, wonach die im Dialekt geschriebenen und gesungenen lyrische Texte dem authentischen Dialekt außerordentlich gut entsprechen, mit einigen kleinen Abweichungen in einzelnen Songs.

Eliisa Pitkäsalo betrachtet und analysiert die Grenze zwischen Dialekt und Standardsprache in ihrem Korpus von einem Werk, das in der Sprache geschrieben wurde, die in der Grenzgegend zwischen Finnland und Schweden gesprochen wird, und die kürzlich den Status einer selbständigen Sprache erhalten hat, bzw. die Übersetzungen des Werkes ins Finnische und ins Ungarische. Einerseits betrachtet sie das Verhältnis des Meänkieli zum Dialekt im finnischen Nordbotten und andererseits die Probleme, denen die Übersetzer bei der Übertragung begegnen, und ob sie zu lösen sind. Dabei stellt sie fest, dass beide Übersetzer zum Ziel gesetzt haben, den Status der Sprache Meänkieli selbst hervorzuheben. Obwohl sie unterschiedliche Lösungen gefunden haben, konnten sie diese Tatsache betonen und so neben der Sprachkultur auch die Sprachpolitik beeinflussen.

Toini Rahtu schreibt über den Gebrauch des Dialekts in Zeitschriftinterviews. Sie betont, dass Journalisten oft Dialekt in ihren Artikeln verwenden, um den Charakter des Interviewten zu betonen. Dabei können die Leser wiederum den Dialekt auf ihre eigene Weise interpretieren und verstehen. Auch die Übersetzer müssen bei der Interpretation die Rolle der jeweiligen Dialekte berücksichtigen und dementsprechend zum Ausdruck bringen. Zuletzt  schreibt Sara Ramos Pinto über die Übersetzung der sprachlichen Varietäten und ihren Empfang bei den Rezipienten. Ob auch in der Übersetzung  die Charakterzüge der Sprecherentsprechend zum Vorschein kommen? Als Korpus verwendet sie zwölf portugiesische Übersetzungen des weltberühmten Musicals My Fair Lady. Hier handelt es sich also um unterschiedliche Übertragungen eines fiktiven Textes in eine einzige Sprache, wobei ein Vergleich zwischen den zielsprachlichen Texten geschieht.

Der vorliegende Band bietet einen guten Ausschnitt aus den insgesamt 38 Vorträgen in Turku und lässt auf weitere fruchtbare wissenschaftliche Diskussionen hoffen.

English
MMDT2012 was the fifth event that has been organized as a part of the conference series on the Translation of Dialects in Multimedia. It was the 3rd symposium in Finland; two previous symposia were held at University of Bologna.  Publication of the speaker sessions of the first four conferences was based on the submitted material and this is the fifth volume of this set.

The first volume was published 2004 and reviewed the meetings of 2003. The majority of the articles contained analyses and reports on dialects, the research of dialects and usage of the dialect in writing from fiction to comics. With the second symposium in 2005, there was a clear change in the research topics. The new issues raised in lectures and speeches were film, theatre and music, and this trend was reflected in the conference volume from 2008. The first two conference volumes were published as printed editions while the following two volumes were electronic publications in the series of the University of Bologna. There was an increasing trend in this direction also in these two volumes. It is a development and broadening of the conceptual content of the international culture, where modern culture has declined its significance as an “elitist sphere” and can now also contain everyday features. Culture belongs to everyone!

The present volume begins with an article on bilingualism and double identity that can be observed in Slovene literature in Austria. SILVIJA BOROVNIK has examined and presented in her article the relation between the Slovene language and the German language and dialects in literature. The double identity of fictional characters can be described by the author due to their usage of dialectal expressions, names and generally through the choice of language and linguistic variety, that is, if he or she writes in a mother tongue or in a second language. In this way, he/she shows his/her double identity and exposes himself/herself to harsh criticism.

GEORGIOS FLOROS writes about intralingual translation in the context of a sitcom that is shown on TV in Cyprus and is very popular there. It refers to the usage of the Cypriot Greek dialect (CGD), that is spoken in Cyprus and is used in this programme, as well as the possibilities of the subtitling of dialogues in Standard Modern Greek (SMG), which is the variety with official status in Cyprus. His analysis shows that the Cypriot Greek dialect causes no semantic or pragmatic difficulties for subtitling, while the communicative aspects of it which are the key elements of a sitcom complicate the subtitling in the standard language and from the sociocultural point of view make it almost impossible.

IRMELI HELIN as the organizer of Symposium MMDT2012 in Turku, describes this oldest town of Finland from the linguistic-political and translation-critical angle, including the origins of the standard Finnish language and the role of the translation as well as the Reformation of the 16th century as an inspirer of written language.

MIHAELA KOLETNIK and ALENKA VALH LOPERT analyse the use of Slovenian Prekmurje Dialect in the Slovenian Film Oča. They consider the use of dialect expressions in film and the extent to which it matches the non-fictional everyday usage of the appropriate dialect. The authors conclude that the actors of the film consistently use the authentic Prekmurje dialect on all linguistic levels.

MELITA ZEMLJAK JONTES writes together with MIHAELA KOLETNIK about the use of two Slovenian dialects in Slovenian popular music. They also provide a precise linguistic analysis on different linguistic levels of observation. According to this analysis they conclude that pop lyrics written and sung in the dialect are an accurate reflection of the dialect with only slight variations in some songs.

ELIISA PITKÄSALO researches and analyses the border between dialect and standard language in the corpus of a novel written in a dialect that is spoken in the border area between Finland and Sweden. This dialect has recently received the status of an independent language and the novel has been translated into Finnish and Hungarian. On the one hand, the researcher investigates the relationship between Meänkieli and the dialect of Finnish Nordbotten (Peräpohjola), and, on the other hand, the issues that could arise while translating dialects and their possible solutions.  She comes to the conclusion that both translators have set themselves the aim of highlighting the status of the Meänkieli language. Although they have found different solutions, they both emphasize this fact and thus influence language culture as well as language policy.

TOINI RAHTU investigates the use of dialect in newspapers interviews. She underlines that journalists often use dialects to characterise their interviewees. At the same time their readers can understand and interpret the interviewees in their own way. In addition, the translators of such interviews should take into account the relation of dialect features to the scopos and interpretate it accordingly.

Lastly SARA RAMOS PINTO presents her study on translation of linguistic varieties and their impact on recipients. How does a translation distinguish specific characters’ profile? The corpus analysed includes twelve Portuguese translations of the world famous musical, My Fair Lady. The paper investigates different strategies of translation of the fiction in the same language and the comparison between the target texts.

The present volume provides a good extract of the total of 38 papers which were presented in Turku and gives hope for further fruitful scientific discussion.

About the author(s)

Koloman Brenner was born 1968 in Ödenburg/Sopron (Hungary). Bilingual (German-Hungarian) education. University studies in German language, literature and History at the University of Szeged. 1993-1997 assistant at the German Department of the University of Szombathely, 1997-2000 assistant professor at the University of Veszprém, since 2000 assistant professor at the Institute for German Studies of Eötvös Loránd University of Budapest. 2006-2001 Dean´s commissioner at the Faculty of Humanities, 2011-2015 Vice-Dean for strategic operations. Teaching and searching in German phonetics and dialectology, multilingualism and language policy. Member of the National Self-Government of Germans in Hungary.

Irmeli Helin is professor of German Translation and Interpretation, University of Turku, Department of Linguistics and Translation Studies, adjunct professor of German Translation and Terminology, University of Helsinki. Main research areas: translation of dialects, retranslation, evidentiality and terminology. Member of the international scientific committee of MMDT

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